Kloster Fischingen

Am Ende staubt’s

Sonntagmorgen. Noch etwas früh, aber die Sonne reckt schon neugierig ihre Fühler über die lange Haube unseres Z4. Mit offenem Verdeck schnappen wir uns die ersten warmen Strahlen und rollen aus der Garage in Richtung Frauenfeld.

Unser Ziel: der Stadtgartenweg 1. Wer jetzt neugierig auf Google Maps sucht… NEIN, weder ich noch der Z4 sind schon „reif“ fürs betreute Wohnen. Der Stadtgarten mitsamt Restaurant hat sich lediglich als freundlicher Startpunkt angeboten – und das ganz ohne Eintrittskarte für den vierten Lebensabschnitt.

Ein Zetti nach dem anderen findet seinen Weg auf den Parkplatz. Die Roadster geniessen die Morgensonne, strecken sich wie Katzen und warten auf den Startschuss. Nach Begrüssung und Tour-Instruktion durch Andy und Elke heisst es: Motoren an und Rollatoren ausblenden! Und nicht zu vergessen: Vielen Dank an Andy und Elke für den spendierten Morgenkaffee und Gipfeli.

Heute übernehmen wir den Besenwagen – klingt nach Reinigungs-Service, heisst aber schlicht: Wir fahren ganz hinten.
Einer nach dem anderen biegt vom Parkplatz auf die Strasse ab, doch plötzlich – HALT! Ein Z4 steht einsam zurückgelassen auf dem Parkplatz. Kein Fahrer, keine Fahrerin in Sicht. Boxengassen-Start? WC-Sprint? Wir warten. Nichts rührt sich. Also rollen wir los. Ein kurzer Anruf bei Elke bringt die Auflösung: Der Wagen gehört gar nicht zu uns, sondern zu einem Besucher des Stadtgartenheims. Der dürfte ziemlich gestaunt haben, als er sein Auto von rund 25 Zetties eingerahmt sah – fast wie ein Klassentreffen, nur dass niemand eingeladen war.

Schnell haben wir unsere Kolonne wieder eingeholt und cruisen gemütlich über Dörfer, Wiesen und Hügel in Richtung Fischingen. Dort erwartet uns das ehrwürdige Kloster, wo unsere „Pferdchen“ direkt vor den Gemäuern antraben dürfen. Noch heute leben fünf Benediktinermönche hier – und wer will, kann sogar in einer ehemaligen Mönchs-Zelle übernachten. Spirituelle Ruhe, dicke Mauern und absolute Stille inklusive.

Nach der kurzweiligen und sehr interessanten Führung durch das Kloster, die Bibliothek und die zugehörige Barockkirche hören wir allerdings keine Stille, sondern vor allem eines: das Knurren unserer Mägen. Zum Glück steht ein reichhaltiges Mahl bereit. Nach dieser Stärkung sind wir bereit für die zweite Etappe: ab ins „Hochgebirge“ des Tösstals.

Der Start sorgt kurz für Verwirrung – die einen fahren rechts, die anderen links, und die ganz Wagemutigen nehmen… nein, nicht geradeaus, sondern zweimal links. Nach ein paar Minuten und U-Turns sind alle wieder eingefangen und die Kolonne formiert sich neu. Und wir immer noch als Besenwagen unterwegs, was nun seinen Preis hat.

Denn Sommerzeit = Baustellenzeit. Die Umleitung führt über drei Kilometer Feldweg. Vor uns 25 Zetties, über uns Sonne satt, und um uns herum: eine einzige Staubwolke. Als wir gefühlt eine Ewigkeit später wieder auftauchen, hat unser Zetti die Farbe gewechselt – von weiss auf beige, wahlweise mit „Wüstenfinish“. Zwischen den Zähnen knirscht der Sand, und nur die Erinnerung daran, dass wir gestern keine Zeit mehr zum Waschen hatten, verhindert Bissspuren im Lenkrad.

Nach dieser kleinen „Sahara-Einlage“ schwingen wir uns weiter über die Hügel des Tösstals, bis wir im Apfelkanton Thurgau unseren Schlusspunkt erreichen. Bei Möhl und Mineralwasser lassen wir die Tour gemütlich ausklingen, bevor sich alle wieder auf den Heimweg machen.

Ein grosses Dankeschön an Elke und Andy für diese lässige Ausfahrt, die uns nicht nur auf neue Strassen, sondern auch auf Feldwege geführt hat – und gezeigt hat, dass auch Zetties wüstentauglich sind.

A.H.